Schnellsuche

 

Klaus Ludwig Kerstinger

Römerstraße 10
7304 Großwarasdorf

Mobiltelefon: 0650-7236976
E-Mail: klaus@kerstinger.com
Webseite: www.kerstinger.com

 

Künstlerprofil von Klaus Ludwig Kerstinger

Klaus Ludwig Kerstinger – Negative Nostalgie als positiver Traum

Nach der Apokalypse kommt die Dunkelheit, in der Vergangenes – Schemen gleich – wie im Traum zum Vorschein gebracht wird. Ein grelles Schlaglicht wird auf die Akteure in dieser düsteren Manege geworfen, symbolartig erscheinen geschichtete Umrisse einer Zivilisation und deren Attribute. In der Vergangenheit Zugetragenes taucht für den Augenblick eines Blitzes wieder auf, erscheint uns als Warnung und Mahnung. Klaus Ludwig Kerstingers Serie Verzerrte Nostalgie ist ein Rückblick und Kommentar auf das, was war und ist, ein kritischer malerischer Blick auf unsere Gesellschaft, die sich bei ihm nostalgisch beschwert in Grauschwarz zeigt. Nostalgie, das ist normalerweise ein Früher war es besser, ein Die guten alten Zeiten herbeisehnen, doch dieses Gefühl will sich bei Kerstinger nicht einstellen. Sicherlich: Der Schilling war sehr schön, doch eben dieses unbedachte reaktive Beschwören nationaler Eigenständigkeit und glorifizierter Geschichte scheint eine ebenso negative Konotation zu beinhalten, wie die stählernen Turnerkörper; eine Gesellschaft der sportlichen Ertüchtigung, der Leibesbilder, ein neues Olympia der Leistung evozierend. Nicht so flink und tüchtig haben da die neuen Obdachlosen reagieren können, die beim Blasensprung einfach rausgeschwappt wurden. Kerstingers Bilder sind subtile Close-ups, die Tiefenschärfe erzeugen und nicht bloß einfachen Zoom bedienen. In diesen Bildern fliegen nun eben all diese Elemente vor verwischtem Hintergrund an uns vorbei und ineinander, wie in einer filmischen Traumsequenz, es ist ein Exkurs ins Zwischenreich, in dem die Figuren wie Traumwandler und Geister erscheinen. Hier leistet die schwarz-weiße Leinwand dystopische Gesellschaftskritik um den Blick für die Zukunft zu schärfen. Verzerrte Nostalgie ist ein malerischer Einschub, der Kerstingers bisheriges Werk gleichermaßen zusammenfasst und ihn innehalten lässt.

Text: Manfred Wiplinger

« zurück